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Archäologie unter Wasser

Nachhaltiges Management des Kulturerbes unter Wasser:

Archäologische und naturwissenschaftliche Untersuchungen am "Krähenhorn" bei Litzelstetten, (Stadt Konstanz)

1.1.2008 starteten insgesamt 6 Einrichtungen aus dem Land Baden-Württemberg, dem Land Vorarlberg AUS, dem Kanton Thurgau CH und der Stadt und des Kantons Zürich CH Voruntersuchungen zu einem gemeinsamen Projekt mit dem Titel "Ufererosion und Denkmalschutz am Bodensee und Zürichsee" UED). Auf baden-württembergischer Seite sollen im Rahmen dieses von der EU geförderten Interreg-Projektes zunächst 5 Uferabschnitte näher untersucht und auf ihre Eignung für das Projekt geprüft werden. Es handelt sich um den Ausflussbereich des Untersees bei Öhningen, die Sipplinger Bucht, das Ufer bei Unteruhldingen, die Flachwasserzonen am Nordufer des Bodanrücks und die Gänslehornbucht im Westen der Insel Reichenau.

Der Bodensee verfügt über ein archäologisches Kulturerbe unter Wasser, das aufgrund seines hohen Alters (Pfahlbauten des 4.-1.Jts. v.Chr.) und optimaler Konservierungsbedingungen von europäischem Rang ist. Angesichts des aktuellen Klimawandels, der Uferverbauung, des Schiffsverkehrs und der Röhrichtdynamik ist eine stark zunehmende Gefährdung wertvoller Denkmalsubstanz durch Ufer- und Flachwassererosion zu beobachten. Das Projekt im Rahmen Interreg IV dient der Erforschung der Erosionsvorgänge und Zerstörungsmechanismen, der Erprobung von Erosionsschutzmaßnahmen und der Entwicklung von Verfahren für ein nachhaltiges Monitoring des Unterwasserkulturgutes.

Zur archäologischen Bestandsaufnahme gehört auch die Erkundung der geologischen Verhältnisse durch Bohrungen. Foto: M. Mainberger

Der Uferabschnitt beim Krähenhorn von Litzelstetten wird im Rahmen von Voruntersuchungen erkundet. Das "Krähenhorn" ist eine in die Flachwasserzone vorgeschobene Untiefe, auf der die Ruinen mehrerer prähistorischer Dörfer liegen. Seit den 1970er Jahren mehren sich Hinweise, dass das Horn einer verstärkten Dynamik der Erosion ausgesetzt ist. Seither liegen Winter für Winter hunderte von Pfählen auf der gefrorenen Uferplatte frei. (Bild unten). Eine 2004 durchgeführte Tauchuntersuchung zeigte, dass es im Wasser noch ausgedehnte Pfahlfelder und Kulturschichten gibt. Im aktuellen Projekt soll erkundet werden, ob sich der Uferabschnitt für ein Pilotprojekt zum nachhaltigen Schutz der Siedlungsreste eignet. Die entsprechenden Arbeiten erfolgten im Auftrag des Landesamtes f. Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart.

Die Strandplatte liegt im Winter frei. Die Hausfundamente der prähistorischen Gebäude liegen an der Oberfläche (schwarze Flecken: Pfähle). Foto: M. Mainberger
Jahr für Jahr gehen Pfähle durch Frost verloren. Foto: M. Mainberger
Nach dem Auftauen bestehen die ehemals festen Pfähle nur noch aus einzelnen Holzfasern Foto: M. Mainberger